Überbringerin der schlechten Nachricht von der Ungerechtigkeit – Gespräch mit Anke Stelling

…Gespräch mit Anke Stelling zu ihrem Roman „Schäfchen im Trockenen“, der im August 2018 im Verbrecher-Verlag erschienen ist. Darin macht sich die Schriftstellerin Resi unbeliebt, indem sie zu wirklich von der Wirklichkeit berichtet und dabei eine mit ihr seit ihrer Kindheit befreundete Hausgemeinschaft erzürnt. Die kündigen ihr die Freundschaft auf. Was weitreichende Konsequenzen für Resi hat. Adressiert ist das Geschriebene an ihre eigene Tochter Bea und erörtert zugleich verschiedene Mutterrollen und die zerbrechlichen Hoffnungen unser Generation auf mehr soziale Gerechtigkeit…Resi kann nicht streiken, oder? Fragen wir uns nach dem Frauen*Streik vom 8.März und zugleich ist der Roman natürlich schon Teil des Streiks, denn er beschreibt die Hoffnung auf eine solidarischere Gesellschaft als recht finsteres Lehrstück

Gedenkort Riebeckstr.63: Die ehemalige Arbeitsanstalt in Leipzig-Thonberg


Ich habe mich mit Anna Friebel von der Gedenkstätte für Zwangsarbeit in Leipzig über die Geschichte der ehemaligen Arbeitsanstalt in Leipzig unterhalten. Weitere Gespräche habe ich mit Petra Čagalj Sejdi vom Leipziger Verein Romano Sumnal zur Geschichte der Verfolgung von Sinti und Roma und mit Rosi Haase über den Charakter der Gebäude als Teil des psychiatrischen Bezirkskrankenhauses in der DDR und die Geschichte einer versuchten Öffnung nach 1989 geführt. Die Ausstellung in der Riebeckstr.63 ist vom 13.3. bis 17.3. von 13-18 Uhr zu besichtigen. Das Symposium in der benachbarten Riebeckstr.53 (Ex-Feierabendheim) findet ab Freitag, 15.3. 14.30 statt.

Gespräch mit Anna Friebel, Gedenkstätte für Zwangsarbeit in Leipzig

Gespräch mit Petra Čagalj Sejdi (Romano Sumnal e.V.)

Gespräch mit Rosi Haase (Künstlerin)

Hier das Programm des Symposiums…

Schrank, Parallelni Polis, Hradiště

Mich haben nicht nur die neuesten literarischen Hervorbringungen aus Prag, Brno und den ganzen anderen literarisch beschreibbaren Handlungsorten von Büchern interessiert…ich habe auch nochmal in den Schrank geguckt und zusammen mit dem literarischen Kollektiv Literami in andere Parallelwelten.

Am Montag (11.3., 20 Uhr) haben wir das Sperrgebiet Hradiště besucht, in einem Hörfeature von Jane Wegewitz.

Auch die politische Situation in Tschechien hat uns interessiert und wir haben mit der Autorin Tereza Semotamová gesprochen, deren sehr empfehlenswerter Roman „Im Schrank“ ab kommendem Freitag auch in deutscher Übersetzung vorliegen wird.
veskrini
„Im Schrank“…befindet sich eine soeben nach Prag zurückgekehrte junge Frau plötzlich wieder…zumindest in dem Roman von Tereza Semotamová, das hat mich doch auch neugierig gemacht darauf, wie sich das Leben eigentlich so anfühlt dort vom Schrank aus gesehen… wie ist es so mit Lesungen in kleineren tschechischen Städten (mit der Bezeichnung „Provinz“ bin ich leider aufgelaufen), wie schätzt sie die politische Situation in Tschechien ein und ist es wirklich als Fluchtversuch zu bewerten, wenn Frau in einen Kleiderschrank zieht…? Hört selbst…

Ein weiterer kleiner Höhepunkt der Erforschung abseitiger Orte erwartet euch am kommenden Mittwoch, dem 13.3….dann spreche ich noch mal mit dem Kollektiv beton-logo Literami, die sich in der Literaturzeitung „Beton“ der Erforschung abgründiger Orte der tschechischen Subkulturgeschichte widmen, nämlich dem Begriff der parallelen Polis, dann ab 19 Uhr ein Gespräch mit Anna Förster von literami……hier schon mal eine Annäherung mit anderen Kollektivisten, nämlich Martina Lisa und Lena Dorn…

und nun hier nochmal das Gespräch mit Anna Förster, das sich nochmal tiefer in den Begriff hineinversenkt…

Und das ist auch der Beginn einer wundervollen Reihe, die sich in der Sendung Aktuell wiederfinden wird, jeweils um etwa 19.40 Uhr…Die Reihe wurde gemeinsam mit dem Literaturkollektiv Literami aufgenommen und spiegelt Texte aus der Literaturzeitung Beton wieder, die am Mittwoch, dem 20. März ab 20 Uhr im Pöge-Haus in Leipzig feierlich das Licht der Öffentlichkeit erblicken wird. In Anwesenheit zahlreicher der Autoren und Autorinnen und mit Debbi Love und Beton-Mischgetränken (Becherovka/Tonic)..

donnerstag 14.3. interview mit Alida Bremer und text von alida bremer zum thema parallelni polis
freitag 15.3. um 20 uhr interview mit Evelyn Schalk und text von evelyn schalk zum thema parallelni polis
montag 18.3. interview mit Bettina Wilpert und text von bettina wilpert zum selbigen thema
dienstag 19.3. interview mit Tereza Semotamová und text von selbiger…

Hier noch ein kleiner, rein subjektiver Überlick über ein bisschen literarisch-tschechisches:

Mittwoch, 20. März 2019
Bier, Brot und Beton
Die Belgrader Zeitschrift Beton widmet ihre deutsch-tschechische Ausgabe dem Thema
„Parallele Polis“. Mit Alida Bremer, Lena Dorn, Saša Ili, Katrin Janka, Martina Lisa, Standa Novak,
Evelyn Schalk, Tereza Semotamová, Roman Sikora, Bettina Wilpert. Moderiert von Matteo Colombi und Anna Förster. Und mit der Band Debbi Love aus Prag.
Ort: Pöge-Haus e.V. Hedwigstraße 20, 04315, Leipzig (Ost) um 20 Uhr

Donnerstag, 21. März 2019
Die Weltuhr klemmt. Abend der tschechischen Poesie
Aktuelle Literatur aus Tschechien, frisch erschienen in der Zeitschrift OSTRAGEHEGE Nr. 91. Mit Sylva Fischerová, Radek Fridrich, Daniela Pusch, Lubomir Typlt
Ort: Leipziger Literaturverlag Brockhausstr. 56, 04229, Leipzig (West) um 20.15 Uhr

In Trinksaifen waren wir zu Hause – V Trinksaifen jsme byly doma. Ein Hörstück (Eva Blechová)
Eine akustische Erzählung eines Ortes und dreier Frauen aus Trinksaifen. in der Hörspielreihe Geräuschkulisse
Ort: Hostel und Garten Eden Demmeringstraße 57, 04177, Leipzig (West) um 20.30 Uhr

Freitag, 22. März 2019
Bohemska. Lange Nacht der tschechischen Literatur – mit Büchern, Film und Musik
Mit Martin Becker, Jaroslav Rudiš, Tereza Semotamová, Zuzana Lazarová, K. H. Krchovský, Ondřej Cikán und Martina Lisa.
Ort: Schaubühne Lindenfels Karl-Heine-Str. 50, 04229, Leipzig (West) um 20 Uhr

Pavel Fajt
Der Schlagzeuger Pavel Fajt, unter anderem bekannt von seiner Zusammenarbeit mit Iva Bittova oder von den Danubians, Fajt begann Anfang der 1980er-Jahre als Komponist von Schauspiel- und Tanzmusik. 1983 gehörte er zu den Begründern der Band Dunaj, die prägend für die Entwicklung der Rockmusik in der Tschechoslowakei wurde. 1985 begann seine Zusammenarbeit mit Iva Bittová, mit der er Ende der 1980er-Jahre mehrere Alben aufnahm.
Ort: UT Connewitz Wolfgang-Heinze-Str. 12a, 04277, Leipzig (Süd) um 22.30 Uhr (Teil von Ahoj Leipzig: Gastland Tschechien ab 19 Uhr)

Sonnabend, 23. März 2019
Tschechien to go! (Markéta Pilátová, Stanislav Struhar, Marek Toma und Martin Vopeta)
Der Wieser Verlag lädt zu einer Entdeckungsreise ein mit den Autor*innen Markéta
Pilátová, Stanislav Struhar, Marek Toma und Martin Vopeta. Musik von Philipp Rohmer.
Ort: Schaubühne Lindenfels Karl-Heine-Str. 50, 04229, Leipzig (West) um 21 Uhr.

Was ist dieses Beton?

Gespräch mit den Übersetzerinnen Lena Dorn und Martina Lisa über die Literaturzeitung Beton, die zur Leipziger Buchmesse am 20.3.2019 erscheinen wird und sich mit dem Begriff der parallelen Polis beschäftigt, der im Umfeld der tschechischen Charta77-Bewegung als eine Art Philosophie des Underground entstanden ist. Sie haben Autorinnen und Autoren befragt, was sich davon noch in die Gegenwart transportieren lässt und auch eine Frage zur Gegenwart der tschechischen Literatur beantwortet. Die Beton wird dann am Mittwoch, dem 20.März im Pöge-Haus in Leipzig an die Öffentlichkeit gezerrt..

 

nochmal zu hören im Zonic vom 27.2.

In die Gedankenwelt…Gespräch mit Özlem Özgül Dündar

Im Text „und ich brenne“ von Özlem Özgül Dündar wird von vier Frauen erzählt, von vier Müttern, die allesamt den tödlichen Brandanschlag in Solingen am 23. Mai 1993 aus unterschiedlicher Perspektive erlebt haben… die schwierige Perspektive der zwei dort ermordeten Frauen und Mütter und einer der den Brand Überlebenden und aber auch eine persönliche Perspektive einer Mutter  von einem der möglichen Täter…in einem fiktiven Text, der sich da hineinzuversetzen versucht.  Und dieser kurze Textausschnitt von 10 Seiten Länge, der in Anschluss an die Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs-Lesungen den assoziierten Kelag-Preis gewonnen hat…ist inzwischen Grundlage für einen Roman und ein Theaterstück geworden, die möglicherweise nun 2019 das Licht der Öffentlichkeit erblicken…Und das Thema ist leider nun nachdem letztes Jahr der fünfundzwanzigste Jahrestag dieses Mordanschlags von Solingen war leider nicht unaktuell geworden… Allein im Jahr 2015 gab es über 1000 flüchtlingsfeindliche Angriffe, darunter über 50 Brandanschläge, wie etwa die Amadeu-Antonio-Stiftung dokumentiert….. ganz zu schweigen von den allgemein vielleicht menschenfeindlichen Angriffen, wo so eine Identität Fremder oder Ausländer da draufprojiziert wird…Ausserdem haben wir über ihren Gedichtband „Gedanken zerren“ gesprochen, der ist 2018 im Elif-Verlag erschienen.

 

Die anlassliefernde Lesung von Özlem Özgül Dündar fand innerhalb der Reihe (W)orte in Leipzig statt, veranstaltet von der Initiative Leipziger Seebrücke, alles nähere zur Reihe und der Initiative hier

Auf Spurensuche nach den Leben des Jack Bilbo – Gespräch mit Ludwig Lugmeier

Wir hören ein Gespräch mit dem Autor Ludwig Lugmeier, der schon im Dezember 2017 einen biografischen Roman über den Schriftsteller, Künstler, Kneipenbesitzer, Schiffskapitän und Anarchisten Hugo Baruch veröffentlicht hat, zu legendärer Bekanntheit gelangt auch als Käpt’n Jack Bilbo. Erschienen ist sein Roman im Verbrecher-Verlag.

Anlass des Gesprächs ist eine Lesung am kommenden Freitag, dem 8.2. um 20 Uhr im Black Hammer in Leipzig. Im Roman wird die Atmosphäre im Berlin der 20er Jahre sehr gut geschildert, aber auch die Atmosphäre unzähliger anderer Orte, denn den Sohn des Besitzers eines grossen Theaterausstattungsunternehmens in Berlin, nämlich eben jenen Hugo Baruch, hat es schon relativ jung auch an andere Orte verschlagen, z.B. nach New York oder London. Als Autor von abenteuerlichen Fortsetzungsromanen aus dem Blickwinkel eines Leibwächters der Mafia-Legende Al Capone, erst in Tageszeitungen und dann im Berliner Universitasverlag, wo auch Jack London und B. Traven, aber auch Irmgard Keun verlegt wurden, kam er dann unter dem Pseudonym Jack Bilbo zu Bekanntheit.

Als Schriftsteller aus einer jüdischen Familie wurde er aber auch schnell zu einer unerwünschten Person in Deutschland des Jahres 1933. Er ist dann mit Umweg über Paris nach Mallorca geflohen, in den damals noch kleinen Ort Cala Ratjada, wo auch andere aus Deutschland Geflohene, wie z.B. Karl Otten Zuflucht fanden. Dort betrieb er die improvisierte Waikiki-Bar. Schliesslich ging es weiter in die Nähe von Barcelona, wo er gegen den aufkommenden spanischen Faschismus kämpfte und sich wie schon in Cala Ratjada mit einer Kneipe über Wasser hielt. Mit seiner englischen Frau konnte er dann wiederum nach London fliehen.

Dort war es für Geflüchtete aus verfeindeten Staaten, selbst wenn sie als jüdische Antifaschisten geflohen waren, nicht ganz einfach. Zeitweilig kam er in ein Internierungslager auf der Isle of Man. Dort war zu der Zeit auch Kurt Schwitters interniert, Bilbo konnte dem Lager entkommen, indem er sich als Freiwilliger zur Britischen Armee meldete, wo er aber auch alsbald wieder ausschied, zumindest konnte er nun wieder zurück nach London. In London gab es damals eine nicht ganz unerhebliche Exilgemeinde. Er versuchte sich als Galerist, Verleger und wieder als Geschäftsführer einer Bar. Aus einer Krise heraus begann er zu malen. Mit seinen eigenen Gemälden und Zeichnungen und mit der Galerie hatte er als unermüdlicher Netzwerkknüpfer und Vertreter moderner Kunst einigen Einfluss auf die Wahrnehmung moderner Kunst in England. Gegen Ende des Krieges verlegte er seinen Wohnsitz nach Weybridge, an die Themse, etwas südwestlich von London, kurz hinter Kingston upon Thames. Sehr idyllisch gelegen damals. Dort eröffnete er ein Museum of Modern Art in der Provinz. Eine Art Utopia, eine  Insel an der ländlichen Themse.

Als er nach dem Krieg aber eine Einbürgerung als britischer Staatsbürger beantragte und diese abgelehnt wurde, brach er vor Enttäuschung alle Zelte ab und kaufte sich ein kleines Segelschiff. Damit wurde er nun zu Capitaine Bilbo, er überquerte den Ärmelkanal, durchquerte Frankreich und landete schliesslich in Sanary-Sur-Mer in der Nähe von Marseille am Mittelmeer. Dort hielt er sich wieder mit einer Schiffsbar über Wasser, bevor er wieder Ärger mit den Behörden bekam und schliesslich frustriert nach West-Berlin ging. Da wurde er mit einer weiteren Bar zu einer Legende im Westberlin der frühen 60er Jahre, Käpt’n Bilbos Hafenspelunke und auch die Kunst und Aussenseiter-Künstler hatten dort wieder einen Ort gefunden. Der Faktenroman von Ludwig Lugmeier funktioniert sehr gut als Landkarte und Wegweiser zu ganz verschiedenen Anknüpfungspunkten, plötzlich interessiert man sich für die Exilgemeinde auf Mallorca und Karl Otten, oder man sieht darin das Kafkasche Amerika-Fragment aufleuchten oder Jack Londons Roman Martin Eden. Die Atmosphäre dieser Orte auf der Landkarte kann dieser collagenhafte, biografische Roman sehr gut wachrufen. Hier das Gespräch mit Ludwig Lugmeier…

Homopunk History

Heute in aktuell bei Radio Blau um ca. 19 Uhr 15 ein Gespräch mit Philip Meinert über sein Buch Homopunk History
Ich habe mich mit ihm unterhalten über sein Buch, das sich mit der Sichtbarkeit von schwuler, lesbischer, transsexueller und vielleicht queerer Identität im Punk befasst und wie sich das so in Styles, Fanzines und Liedtexten geäussert hat. Und was die Punk umgebende, sehr sehr grosse „Mitte der Gesellschaft“ dazu gesagt hat, oder ob Punk gar selbst Teil dieser Mitte war…

Grundlage ist das Buch „Homo Punk History“ von Philipp Meinert, das ende letzten Jahres im Ventil- Verlag erschienen ist…hier in Leipzig war eine Lesung, wo auch nochmal der sehr empehlenswerte Film „queercore – how to punk a revolution“ gezeigt wurde, der sich mit der etwas intensiveren und expliziteren Sichtbarkeit von schwuler, lesbischer, transsexueller und queerer Identität ab Mitte der 80er Jahre befasst in Form der Szene in Toronto, mit der us-amerikanischen Fanzineszene und mit Bands, die da ein bisschen offensiver wurden und unter dem begriff Homocore oder Queercore versucht haben, eine etwas aktivere Szene zu erfinden… Ich habe mich mit ihm darüber unterhalten, unter welchen Bedingungen queerer Punk entstanden ist und habe Fragen zu einzelnen interessanten Szenen gestellt.

oder hier zum Nachhören