Das hab ich mir alles ausgedacht – Gespräch mit Thorsten Nagelschmidt zu seinem Roman „Arbeit“

Ich hab die Romane „Arbeit“ und „Was kostet die Welt?“ von Thorsten Nagelschmidt alias Nagel gelesen. Das hat ganz gut in meinen Lektüreplan gepasst, weil ich gerade immer noch am „Ulysses“ herumlaboriere (ca. Seite 425), denn bei „Arbeit“ handelt es sich ebenfalls um einen Grossstadtroman, der auch aus ganz unterschiedlich angelegten persönlichen Perspektiven Zugänge in die Stadt und aus ihr raus legt, allerdings geht es um Berlin und nicht um Dublin. Gleich zu Beginn lernen wir den Taxifahrer Bederitzky kennen, der im Oberseepark im Berliner Nordosten auf einer Parkbank sitzt. Im Verlaufe der Geschehnisse, die sich über 20 Kapitel und mindestens ebensoviel Romanpersonal erstrecken, verfolgen wir Menschen, die die Stadt aus ihrer persönlichen Perspektive und Sprache beschreiben und damit auch die meist äusserst zerbrechlichen und notdürftigen Arbeitsverhältnisse, mit denen sie ihre Existenz bestreiten. Auch die sozialen Verknüpfungen und Beziehungen, die sich durch die Arbeit ergeben, werden zum Gegenstand der Beschreibung. Wir hören nun gleich einen Ausschnitt aus dem Roman „Arbeit“ von Thorsten Nagelschmidt, Ende April im S.Fischer-Verlag erschienen und im folgenden Gespräch mit dem Autor, der auch Sänger und Texteschreiber bei der Punkband Muff Potter war, versuchen wir, der Vielstimmigkeit im Roman auf den Grund zu gehn… Am 22.9. liest Nagel im Conne Island aus dem Roman…

Watzizizezitsch. Rebisch, zwog. Über Sprachen und Stimmen – Gespräch zur Ausstellung mit Katharina Zimmerhackl

In Leipzig wird am Donnerstag, dem 23.Juli im Kunstraum D21 eine Ausstellung eröffnet, die sich mit Sprachen und Stimmen beschäftigt… Mit dem Zur-Sprache-Finden und mit den gesellschaftlichen Möglichkeiten, über eine Stimme zu verfügen. Radio Blau hat sich mit Katharina Zimmerhackl unterhalten, die die Ausstellung mitkonzipiert hat, die dort vom 23. Juli–30. August zu besichtigen ist.

Aufnehmen tu ich alles, was mir in die Quere kommt – Gespräch mit Patrick Franke über Vögel, Kunst und Field Recordings

Wir hören ein Gespräch mit Patrick Franke über Vögel und Kunst, aber auch andere Dinge. Er hat bis 2008 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert und tritt am Donnerstag, dem 9.Juli beim Hörspielsommer in Erscheinung und im August nochmal bei der Geräuschkulisse.

Fliegen und Schlafen – Gespräch zum Tag des Mauerseglers mit René Sievert vom Nabu in Leipzig

Der Mauersegler legt in seinem Leben sehr lange Strecken im Flug zurück und ist sogar in der Lage, während des Fliegens zu Schlafen. Er nistet in Mitteleuropa an Häusern und hat es zunehmend schwierig, da geeignete Stellen für den Nestbau zu finden. Darum hat der Naturschutzbund Leipzig den Tag des Mauerseglers am 7.Juli ausgerufen. Radio Blau hat sich mit René Sievert, der im Nabu tätig ist, darüber unterhalten…

Allmähliche Zerkrümelung# Knarf Rellöm

Heute um 16 Uhr im Radio: Ausserplanetarische Opposition… Gespräch mit Knarf Rellöm und Musik aus dem umfangreichen Gesamtwerk von Elektrik China, Huah! und zur Ladies Love Knarf Rellöm, der Knarf Rellöm Trinity, bis hin zur Zukunft und den Umherschweifenden Produzenten, sowie den 1000 anderen Inkarnationen dieses ausserirdischen Phänomens. Mit Gespräch zu Motiven wie Ausserirdischkeit, Dialogrock oder Abschweifungen aus dem textlichen Gesamtwerk, das nun auch in Form des Buches „Wir müssen die Vergangenheit endlich Hitler uns lassen“ im Ventil-Verlag vorliegt.
Auf 99,2 mhz in Leipzig oder hier.

Proviant für Verstimmte

Zum Nachhören: Proviant für Verstimmte

Proviant für Verstimmte: „Ginsterlich – Proviant für die Nacht“
Texte von und mit Mascha Golda, ausgehend von „Die große Nacht“ (Rilke) und Dalis „Mädchen am Fenster“. Texte und Lieder zum Dazwischen … zwischen Schlafen und Träumen, zwischen Innen und Außen, zwischen Hier und der Ferne.

Proviant für Verstimmte: „Unsere Stimme, nuestra voz“
Die Künstlerin und Aktivistin Catalina Ariza stellt die Leipziger Gruppe latinxs und ihr Projekt „Unsere Stimme, nuestra voz“ auf Deutsch und Spanisch vor.

Die Rückkehr der Tiere

Es fängt an mit einer Erinnerung an den Dezember 89… zwei alte Bekannte fahren im Trabant der Mutter nach Nürnberg und spazieren dort über Kopfsteinpflaster, es gibt Kaffee und Stollen, zurück aus der Zukunft in die seltsam altmodische prototypische westdeutsche Großstadt. Ich habe den neuen Gedicht- oder Erzählband „Die Rückkehr der Tiere“ von Jan Kuhlbrodt im Regionalexpress von Kassel nach Halle gelesen, beim Blick aus dem Fenster sehe ich Dinge, die ich bei vergangenen Fahrten in den letzten dreissig Jahren auch gesehen habe, obwohl sie da anders aussahen, in anderen Grundfarbtönen gestrichen waren und vielleicht sogar anders gerochen haben. „Gestern erreichte mich die Nachricht vom endgültigen Zusammenbruch des Irak, fotografiert von chinesischen Raumfahrern…Schade, dass sich dieses Ereignis nicht wie von selbst in den Atlanten abbildet. Die politische Ordnung der Welt, sich in Bildern aktualisierend. Aber dann würde die Geschichte aus dem Regal verschwinden, und ich hätte nichts zu erzählen, nichts zu erinnern.“ Ob es das wohl irgendwann gibt? Und wie hätten wohl die Roboter aus dem VEB Robotron den Zusammenbruch der DDR und ihr Verschwinden dokumentiert und nacherzählt, wenn sie damals schon so weit gewesen wären, das sie es hätten dokumentieren können oder sich heute noch daran erinnern würden und nicht nutzlos auf dem Schrottplatz oder im Museum rumstehen. Umso besser, dass sich Jan Kuhlbrodt erinnert, wie schon in vergangenen Novellen oder Romanen, zum Beispiel in „Das Modell“, wo ein gewisser Schroth plant, ein Erinnerungsregister anzulegen, „eine Bibliothek, verzeichnen, kategorisieren und das Leben in den Griff bekommen, wenigstens das Vergangene…“. Wie in dem Roman „Schneckenparadies“, veröffentlicht 2008 von Jan Kuhlbrodt, nähert sich ein Erzähler, der aus einer etwas entlegenen Erzählposition heraus, hinter Bücherstapeln oder vom Hinterhof aus die Erinnerungen überblickt. So wie die Industrieroboter des VEB Robotron heute im Museum zu betrachten sind, erging es auch den Ideen, die in der DDR „der Zukunft zugewandt“ waren. Wie konnte man sich als Heranwachsender in der DDR in Science Fiction vertiefen, wieso ist die Jugend der DDR trotzdem irgendwie abhandengekommen? Übrigens ist die Jugend ja auch irgendwie der alten BRD abhandengekommen, Franz Josef Strauss und Helmut Kohl waren so schlechte Vorbilder für die Jugend wie Erich Honecker oder Andropow. Ich hab mich jedenfalls mit Jan Kuhlbrodt über seinen neuen Gedichtband „Die Rückkehr der Tiere“ unterhalten, in dem wunderbare Zeichnungen von beinah ausserirdisch wirkender, wabenförmiger (nicht nur) DDR-Architektur zu sehen sind, die Klaus Walter beigesteuert hat.

staY homE reaD a booK 14.3. 21-24

stayfly2

Samstagabend, Radio Blau: 14.3. ab 20.30 Uhr
Lesung mit Musik und Publikum im Radio…
Vorgestellt wird das Buch „FLEXEN. FLÂNEUSEN* SCHREIBEN STÄDTE“ mit Özlem Özgül Dündar u.a.
Ika Elvau – Identitätskrise 2.0 oder eine Analyse meiner linken DNA
(edition assemblage)
PMS – post migrantische störung

Und andere Texte unter Leselampe im Radio und im Vorzimmer des Radios. Mit Schallplattenuntermalung.

Paul-Gruner-Str. 62 (Hinterhaus), Leipzig

stay home plakat…

Von Jäger*innen, Sammler*innen und gewissen Machtverhältnissen – Gespräch mit Dr. Miriam Haidle zu Geschlechterrollen in der frühen Menschheitsgeschichte

Wir hören ein Interview mit der Frühgeschichtlerin Dr. Miriam Haidle zur „Natürlichkeit“ von Geschlechterrollen anhand von Erkenntnissen aus der Erforschung der menschlichen Frühgeschichte. Sie ist tätig an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, als Koordinatorin der Forschungsstelle „The role of culture in early expansions of humans“ am Senckenberg Forschungsinstitut und der Universität Tübingen.

siehe auch: Schon in der Steinzeit…: Über die ›Natürlichkeit‹ menschlicher Geschlechterrollen aus urgeschichtlich-paläoanthropologischer Sicht / Miriam Noël Haidle
(In: Die Naturalisierung des GeschlechtsZur Beharrlichkeit der Zweigeschlechtlichkeit, Transscript, 2018, S.15-30)

Pffft…! Radiosendung (Allmähliche Zerkümelung#Pffft) So. 23.2., 22-24

Ende 1983: Punk wurde immer mehr zur „Mode“, die intensive Zeit von Wutanfall, der ersten Punkband in Leipzig, war vorbei. chA°s stieg aus, mit unzähligen physischen und psychischen Wunden verursacht durch die Staatssicherheit, aber vor allem auf der Suche nach Neuem, nach Extremen… nach Krach, nach Lärm, nach entARTeter Musik.

[PFFFT…!]

Geschichten…“vom Jahr 2000 und seinen Sternen. Wo sich die Welt spiegelt, fragen wir. Die Sterne sind zum Anrühren nah…Wir recken uns, greifen, pflücken sie sauber ab…Formen sie zu Flöten und Elektronenhirnen…pfeifen den Beat vom elektrischen Wind, der den Himmel kämmt.“ Radiowellen dringen durchs Universum und so auch in die DDR des Jahres 1983.
„Entstanden ist es, glaub ich, 1983, basierend auf einer selbstgeschriebenen Geschichte von einem Bergmann, der einen tragischen Unfall hatte und während dieses Vorfalls, wo er verletzt im Dunkeln am Boden im Stollen ist, vernahm er von allen Seiten ein erst leises und dann immer lauteres „Pffft…!“.“ chA°s wollte zusammen mit Stracke nach Prag fahren, sie wurden dann aber an der Grenze wegen einem Subhumans-Tshirt zurück nach Dresden geschickt. Aus dem bewusstseinserweiternden Aufenthalt in Dresden, wo ein Kontakt zu den Dresdner Punks von Paranoia bestand, hat sich dann die Idee zu Pffft…! ergeben…
Aus dem Rumprobieren mit dieser Idee ergab sich dann 1984/85 das improvisierte Ding „Pffft…!“ in der Besetzung Zappa, chA°s und Hans Schulze. Das Konzept des Projekts war von Anfang an sich von jeglichen Konstrukten einer typischer „Band“ zu lösen, also keine Proben, Texte oder feste Songstrukturen. Dies bedeutete auch keine festen Mitglieder in dem Projekt zu installieren und sich jeglicher Schubladen zu verweigern. Die nihilistische Haltung stand an erster Stelle, die alle positiven Zielsetzungen, Ideale und Werte ablehnt. Auch die Verneinung der Kunst, aller Normen und Werte. In dieser Form ist das Ganze dann auch erstmal auf Bühnen gelangt, am 1. Juni 1985 ist durch den Kontakt zu Christoph Tannert ein Auftritt auf der Intermedia I in Coswig bei Dresden zustandegekommen. Weitere Auftritte gabs 1985 im Strassenbahnhof Reudnitz und im Buchladen Wort & Werk.

Es folgten am 9.10.1985 und am 7.1.1987 Auftritte im Tas-Club des Studentenwohnheims „Jenny Marx“ in der Nähe vom Hauptbahnhof (in der Goethestrasse), die durch den Kontakt zu Holger Luckas zustandekamen… Weitere Sessions fanden in einem privateren Rahmen statt, so zum Beispiel im Proberaum der Band Neurot und auf einem Schrottplatz. Wir hören Ausschnitte aus den Auftritten am 1.6.1985 auf der Intermedia I in Coswig und von dem Auftritt am 7.1.1987 im Tas-Club. Nach der Ausreise von Zappe und Hans Schulze ging es in leicht veränderter Grundkonstellation weiter, unter anderem mit Roger Troks von der Band Kulturwille und mit Henning Eiler von Neurot und weiteren Gästen. Und so weiter bis in die Gegenwart mit Mitmusiker Dallas.

Zu hören sind dann auch folgende neue Aufnahmen aus der unmittelbaren Gegenwart …
Pffft…! – Das Schindluder
Pffft…! – Schlachtschussapparat
Pffft…! – Elsterglanz
Pffft…! – Klumpen
Pffft…! – WBS Arbeiterschliessfach

Und folgende Aufnahmen sind von Noise-Projekten und Tonträgern, die chA°s in der Gegenwart als Inspiration angibt, zu denen teilweise persönlicher Kontakt besteht…
Grim – Venomoon
((https://steinklangindustries.bandcamp.com/album/grim-lunatic-house-2019))
Hinter Grim steckt der japanische Musiker Konagaya Jun, der ab 1983 mit dem Noise-Duo „White hospital“ aufgetreten ist, ab 1985 dann allein als „Grim“. Venomoon ist von der Platte Lunatic House von 2019…
ISOMER – Sons Of Our Father
((https://tescogermany.bandcamp.com/album/zero-lounge))
Hinter Isomer verbirgt sich der australische Musiker David Tonkin, der seit den 2000er jahren ein paar kassetten und cds rausgebracht hat… sons of our father ist von der cd zero lounge von 2005..
KE-HIL – WHEN COMES SUCH ANOTHER
((https://tescogermany.bandcamp.com/album/syndrome-antidrome))
power-electronics … projekt aus mannheim, ursprünglich mal teile der gruppe genocide organ, die es seit 1985 gab…von der platte syndrome/antidrome von 2017
Phantasm Nocturnes & Bride Wore Black – 1. Chapter I
((https://brideworeblack.bandcamp.com/album/bride-wore-black-phantasm-nocturnes-she-who-was-before-the-gods))
Zusammenarbeit zwischen Betty Koster aka Phantasm Nocturnes und Bride wore black aus dem Jahr 2017 („she who was before the gods“) …
PRURIENT – Pipes And Water
((https://prurient.bandcamp.com/))
der us-amerikanische Künstler Dominick Fernow ist prurient, mit einer Aufnahme aus dem Jahr 2007…
UTØYA – Post Glass-Roots-Smashing-Orgasm Chill (excerpt)
((https://utoya.bandcamp.com/album/preying-upon-your-youth))
von der Kassette „preying upon your youth“ von 2017…aus Alessandria in Italien..

Pffft…! Erhebt keinen Anspruch das Publikum zu unterhalten, zu
gefallen und zu bestallen.

macht nicht! geht raus! geht weg! verliert orientierung und vernunft,
seid EIGEN und ANDERS! chA°s
Kommt am Sonntag, 23.2. von 22-24 Uhr bei Radio Blau (99.2 Mhz oder hier). Hier auch.